Der Rathausbrunnen

Rathaus und Rathausbrunnen - eine Paarung, die nichts Ungewöhnliches vermuten lässt. Wäre da nicht die barocke Kreativität des Bildhauerehepaares Barbara und Gernot Rumpf.

Mit sichtlichem Einfühlungsvermögen und gebotener Beobachterdistanz schufen diese mit dem Dettinger Rathausbrunnen ein außergewöhnliches Objekt. Es zieht die Blicke der Passanten auf sich und wer sich auf ein Verweilen einlässt, findet sich bald in der eigenen Fantasiewelt wieder.

Mit der dezenten Spannweite der Stilelemente fügt sich der Brunnen wunderbar in einen Platz ein, der von Gebäuden geprägt ist, die vom ländlichen Barock bis zur jüngsten Gegenwart reichen.

Der Vielfalt der Betrachtungsperspektiven ist diese Seite gewidmet.

... ein Tag beginnt

Impressionen und Perspektiven

Der Dettinger Rathausbrunnen ist noch jung. Er ist ein Kind der Zeitenwende am Ende des 20. Jahrhunderts. Zugleich ist er zeitlos - er will Geschichten erzählen.

 Geheimnisvoll verspielt deutet er Mythen und Symbole an, verweist auf dies oder jenes und gibt der Fantasie des Betrachters freien Lauf. Ernst und heiter zugleich. Er erzählt vom Dorf - wie es früher hier war und wie es jetzt ist. Von den vier Brücken über die Lauter und vom "alten Flecken", der zur "neuen" Siedlung Guckenrain am Fuße der Teck seine soziale Verbindung gefunden hat. Trotz der Trennung durch die Bundesstraße. Als Symbol des Brückenschlags sind die Granitplatten unschwer zu erkennen. 

Im Brunnenhalbrund mit Blick auf das Rathaus verharrt die stolze Stierfamilie auf ihren Granitquadern. Zeus selbst war es, der die Gestalt und damit die Kraft des Stieres annahm, um die schöne Europa verführen zu können. Ist es die Kraft des Bürgersinns, der sich hier ein Stelldichein gibt? 

Aber es geht auch ganz konkret. Die Rinderzucht der Dettinger Bauern hat eine lange Tradition. Besonders die Dettinger Farren waren Anfang des 20. Jahrhunderts begehrt und über die Landesgrenzen hinaus bekannt. 

Gegenüber den Stieren steht ein Schaf auf der Brunnenmauer, nicht abstrahiert überzeichnet, sondern geradezu naturalistisch. Ein offensichtlicher Verweis auf die lange Schäfertradition im Albvorland. Die Künstler formten dieses Schaf ohne Ecken und Kanten als Reittier für Kinder.

Ein wenig verwirrend ist da lediglich die Zuordnung eines scheinbaren Fabelwesens. Doch der kleine Drache, der er ist, hat eindeutig nachbarschaftliche Beziehungen mit christlichem Symbolgehalt. Er verweist auf die angrenzende Pfarrkirche St. Georg.

 

Damit wären fast alle Skulpturen gedeutet. Wäre da nicht ein leicht übersehbares Mäusepärchen, das sich im Schutz der Stierpostamente vergnügt. Eine persönliche Marotte, ein Zitat der Künstler, die spielerische Andeutungen lieben und bei vielen ihrer Brunnen den Mäusen einen besonderen Platz einräumen.

 

Wasser Bronze Granit und Licht